Freitag, 17. April 2009

HIV und Kriminalität

Da ist also eine Pop-Sängerin in Untersuchungshaft, weil es strafrechtliche Relevanz hat, wenn man mit jemandem unsafen Sex hat, obwohl man weiß, dass man HIV-positiv ist.

Die Berichterstattung, insbesondere in boulevardeskeren Formaten, hat in diesem Fall (wie immer) klare Vorstellungen von Gut und Böse. Die böse, perfide Person hat armen, unschuldigen Männern ein Virus "angehängt". - Wir machen uns die Welt wiedewiedewie sie uns gefällt.

"Safer Sex" ist eine Erfindung, die Menschen davor schützt, beim Sex a) schwanger, b) Vater, c) mit HIV infiziert und d) mit einer Reihe anderer unerfreulicher Sachen infiziert zu werden. Safer Sex soll man immer praktizieren, Ausnahmen sind selbst in Partnerschaften nicht so praktisch, wenn die Möglichkeit besteht, dass mindestens einer der Partner außerhalb der Partnerschaft Sex hat (und die besteht ja eigentlich immer - und die Crux ist, dass, je mehr es "verboten" ist, es desto unwahrscheinlicher "gebeichtet" wird).

Leider wirkt die Berichterstattung so, als müsse man Safer Sex nur mit HIV-Positiven und mehr, nur mit solchen, die wissen, dass sie positiv sind und es auch sagen, praktizieren. Das ist einfach nur blöde und gefährlich.

Die strafrechtliche Sache ist auch noch aus einem anderen Grund blöde: Nur wer weiß, dass er positiv ist und ungeschützten Sex hat, ist strafbar. Wer es nicht weiß, kann vom Gesetz nicht belangt werden. Es ist also in dieser Hinsicht besser, nicht regelmäßig seinen HIV-Status zu checken.

Und irgendwie erinnert mich das an Männer, die erbost darüber sind, dass ihre Frauen ihnen "ein Kind angehängt haben". Als wenn man als Mann gar nichts tun könnte, um kein Kind zu kriegen.

Also, nix Opferrolle!

Der Vorfall mit der Popsängerin ist eine gute Gelegenheit, endlich zu begreifen, dass jede_r, der_die nicht ausschließlich safer sex praktiziert, sich mit HIV infizieren kann. Opfer-Täter-Getue und Kriminalisierung hilft da nicht weiter, selbst wenn es so schön einfach und empörend ist.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Als wenn es möglich wäre, ein Kind zu machen, wenn man anständig verhütet."

Ich nehme an das du noch nie Sex hattest...

gläserner_prinz hat gesagt…

;-)

Du hast natürlich recht, Unfälle passieren immer wieder, und kein Verhütungsmittel garantiert völlige Sicherheit.

Wovon ich aber spreche, sind Männer, die darauf vertrauen, dass es "grad sicher" ist, dass man von Coitus Interruptus nicht schwanger werden kann oder dass die Frau schon was sagt, wenn sie nicht die Pille nimmt.

Und diese Fälle kommen häufiger vor als das Versagen des Parisers.

gläserner_prinz hat gesagt…

edit: Hab die beanstandete Stelle verbessert.

Anonym hat gesagt…

Naja, auch wenn ich deine Ansichtsweise so wie deine Argumente gut nachvollziehen kann - und durchaus der Tonus dieser Anklage so wie die zugrunde liegende Geisteshaltung gefährlich sein / falsch verstanden werden könnte, finde ich es trotzdem mehr als fragwürdig, wenn eine wissentlich kranke Person Andere dieser Gefahr aussetzt.
Es ist natürlich im Allgemeinen nicht gut, ungeschützten Verkehr zu haben - und natürlich ist es im Endeffekt die Eigenverantwortung der Männer/Frauen, die sich darauf einlassen. Der Partner könnte schließlich immer unerkannterweise eine Krankheit haben. Trotzdem sehe ich es als kriminell an, mit dem Wissen um eine tödliche Krankheit eben dieses zu praktizieren.
Das sehe ich vollkommen ab von der Safer Sex ja/nein Diskussion. Diese Person hat grob fahrlässig, unverantwortlich und ohne Respekt für die Gesundheit des Anderen gehandelt. Und das sollte bestraft werden. Es ist fahrlässige Gefährdung/Körperverletzung. Ich finde nicht, dass man ein Politikum daraus machen sollte.
ich finde, das ist vergleichbar damit, dass - auch wenn sich beide der Gefahr bewusst sind - der Mann Verantwortung [zumindest in Geld-Form] für ein von ihm gezeugtes Kind übernehmen muss. Ob es nun absichtlich war, oder nicht.

Oder habe ich deinen Text irgendwie falsch verstanden?

Anonym hat gesagt…

viel gelernt