Dienstag, 6. März 2007

"Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen," - Sprache

Zu diesem Thema habe ich mich bereits mehrere Male im Kreis gedreht, und wenn es so weitergeht, bekomme ich einen Drehwurm. Es geht um die allgemeine Anrede. Feministinnen haben ja durchgesetzt, dass Frauen jetzt sehr häufig extra genannt werden, wenn z. B. in der Zeitung die Rede ist von den Sportlern und Sportlerinnen, den Schülerinnen und Schülern und was weiß ich alles noch. Das als Errungenschaft zu feiern halte ich für Unsinn. Vielmehr wird (und das halte ich für eine Tendenz, die sich momentan trotz metrosexueller Männer verschlimmert) durch die explizite Erwähnung der "innen" - die einem doch immer irgendwie noch als tendenziell überflüssige Ergänzung vorkommt - das Vorhandensein zweier verschiedener Gruppen erzeugt. In einer gleichberechtigten Gesellschaft sollte aber eigentlich in Bezug auf die jeweilige Funktion ("Schüler", "Elektriker", "Mathematiker") völlig egal sein, ob ein Mann oder eine Frau das ist, also: eine Elektrikerin ist in ihrer Funktion als Elektrikerin eigentlich genau das gleiche wie ein Elektriker - sie unterscheiden sich hierzulande eigentlich nur in der Häufigkeit und der Bezahlung.
Im deutschen Osten war es absolut unüblich, dass Frauen an ihre Berufsbezeichnung ein "in" dranhängen. Man lernte "Schlosser", "Elektroingenieur" oder "Koch" unabhängig vom Geschlecht. Interessanterweise war da auch die Gleichbezahlung der Geschlechter garantiert.
Durch die Doppeltnennung wird also der Eindruck erzeugt, Schülerinnen seien in ihrer Funktion als Schüler etwas anderes als (männliche) Schüler. Ich finde es fraglich, dass das was bringt. Zudem habe ich oft das Gefühl, dass die Extra-Nennung der Frauen mit einem Augenzwinkern oder gar Augenrollen benutzt wird - "Damit die DAMEN sich nicht auf den Schlips - haha - getreten fühlen."

Besser argumentiert und mit noch anderen Aspekten versehen, findet sich ein Artikel zu dieser Sichtweise hier: Wider die Abschaffung des allgemeinen Menschen.

Daher verfechte ich die Auffassung (und mir ist es auch sprachlich geläufiger), dass es vollkommen angemessen ist, den ehemals allgemeinen Plural immer dann zu verwenden, wenn zwischen den Geschlechtern nicht unterschieden werden muss. Ich rede von meinen Mitbewohnern, wenn das zwei Frauen und ein Mann sind, von Kollegen, Freunden, Verwandten (bei denen käme auch niemand auf die Idee, dass ich nur männliche Verwandte habe).

Nun hat aber der Feminismus natürlich recht, dass die Tatsache, dass der ehemals allgemeine Plural grammatikalisch männlich daherkommt, dazu beiträgt, dass kleine Mädchen von heute auf Ärztekongressen, bei Professorenberufungsverfahren oder bei Anwälten etc. davon ausgehen könnten, dass diese Berufe nur von Männern ausgeübt werden (können). Dass das anscheinend wirklich so ist, belegt die Beobachtung von M., der an einer Gesamtschule neunte Klassen unterrichtet und festellen durfte, dass die Mädchen zum Thema Berufswahl eher an Berufe wie Krankenpflegerin, Anwaltsgehilfin, Arzthelferin Interesse bekundeten (auch wenn ihre Schulnoten höhere Karrierebestrebungen zulassen würden), während die Jungen ungeachtet auch schlechterer Noten eher Arzt oder Anwalt anstrebten. In diesem Zusammenhang ist es offenbar nützlich, wenn die Medien von "Politiker und Politikerinnen", "Managerinnen und Managern" etc. sprechen - damit die Idee, dass dies keine reinen Männerberufe sind, sich allmählich ausbreitet.

Ich denke, das Problem lässt sich auf der Sprachebene nicht lösen. Natürlich ist es wichtig, dass Frauen "vorkommen", sei es in der Politik, in hochkarätigen Berufen, im gesellschaftlichen Leben allgemein. Aber die Tatsache, dass es in der DDR überhaupt keine sprachliche Sensibilität dafür gab und dennoch die Frauen viel selbstverständlicher in technischen Berufen,
Führungspositionen und in sonstigen ehemaligen Männerdomänen vorkamen, zeigt doch, dass es offenbar hilfreicher ist, wenn Medien die Frau nicht vorrangig als Sexobjekt oder Anhängsel des Mannes schildern (wie es ja jetzt wieder und hier immer noch ist), sondern eben das Bild der "berufstätigen Frau" propagieren, wenn die Kinderbetreuung gesichert ist und Status und Männlichkeit zwei verschiedene Dinge sind. Da die Politik und v.a. die Medien aber keine Anstalten machen, irgendwas gegen solche Frauen- und Männerklischees zu unternehmen, bleibt die sprachliche Frage interessant. Aber eine sprachliche Utopie habe ich nicht - eine gesellschaftliche schon.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Anhängsel des Mannes" - genau das ist es doch, was das vielgeschimpfte "in / Innen" aussagt.
Dazu vermittelt es uns noch, dass Frauen / diese ganzen FeministtinnenLesbenKampfemanzenFrigideZicken (...) die Welt nur noch komplizierter machen, statt einfacher und eine regelrechte Lachnummer sind.

Den Intersexuellen wird das Leben damit auch nicht weiter erleichtert, die haben ja genau wie die ganzen Genderbender (u.ä.) nichtmal eine Endung die man an das Wort hängen könnte um den Leuten ins Bewusstsein zu pflanzen, dass es mehr als nur Schwarz und Weiß gib, im Farbkasten des Lebens.

Mit deinen Ausführungen zum Thema Berufswahl hast du mich auf einen Aspekt der Berufswahl gebracht, den ich fast verdrängt hatte: Wo wird denn mal von einem Apothekenhelfer, Arzthelfer o.ä. gesprochenn?
PTA wurde letztens im Fernsehn -afaik sogar bei Jauch- mit "Pharmazeutisch Technische AssistentIN übersetzt", auch wenn das meines Wissens nach aus dem bloßen A nicht hervorgeht.
Frauen werden also (wenn sie nicht selbstständig denken) nicht nur durch Männerberufe aus einigen Berufsfeldern ausgegrenzt sondern auch in gewisse Berufe gedrängt.

Anonym hat gesagt…

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