Sonntag, 11. März 2007

Jack Wolfskin

Jack Wolfskin hat es inzwischen geschafft, auch Rucksäcke herzustellen, die auf die schmalere weibliche Anatomie ausgelegt sind. Das ist gut, ich würde mir so einen kaufen, auch wenn ich ein schmaler Mann bin. Aber was mich ein wenig stört: der Rucksack heißt z. B. "free flow women", während die Männervariante nicht "free flow men" heißt, sondern schlicht: "free flow".
Das heißt, der allgemeine Rucksack ist für den Mann, die "Sonderversion" für Frauen.

Exkurs: wer noch mehr Beispiele findet, wo der Mann "normal", die Frau 
"spezial" ist, darf sich gern im Kommentar dazu äußern. Mir fällt nur gerade auf, dass das auch mein Unbehagen mit den "innen" ist (siehe letzter Artikel) - dass der Normal-Bäcker immer ein Mann ist, während die Frau eine Extra-Markierung braucht. Weiblich ist nicht normal, wird mir dadurch signalisiert. Exkurs-Ende.

Bei einem kurzen Gespräch mit C., dem Freund des WG-Gspänlis, kommen wir drauf, dass es ja im Grunde auch Unsinn ist, die Varianten dem Geschlecht zuzuordnen. Denn es gibt ja Frauen wie Schränke und schmale Männer mit mehr oder weniger Taille, und es wäre praktisch, wenn die den Rucksack, die Jacke, den Schuh erwerben würden, der zu ihrer Statur passt und nicht zu ihrem Geschlechtsteil. Für eine breite Frau ist der Fall noch recht unproblematisch, aber die Hemmschwelle für einen Mann, eine Jacke oder einen Rucksack zu kaufen, der sichtbar mit "women" gelabelt ist, ist ja leider Gottes enorm.

Also wäre es doch schön, wenn die Outdoorabteilungen eher nach Schnitt und Statur eingeteilt wären statt nach Geschlecht. Das kann man dann bitte 
gleich noch auf die komplette Modebranche ausdehnen. Und wieder
wäre man der Utopie einer gender- angenehmen Gesellschaft etwas näher.


Kommentare:

dare hat gesagt…

Beispiel gefällig:

Homepage des Deutschen Fussballbundese:

-> Nationalmannschaften
->-> Nationalmannschaft
->-> Frauen-Nationalmannschaft

irgendwo fehlt mir das Wort Männer... ich wäre fast geneigt von Diskriminierung zu reden ;)

Lukas hat gesagt…

NationalMANNschaft. Wo fehlen denn da Männer?

knurks hat gesagt…

Um bei der Einkauferei zu bleiben (ich geb hier ja neuerdings das Medchen): Du meinst also, es sei eine Welt möglich, in der man im Schuhladen nicht die zu den Chromosomen, sondern zur Schuhgröße passenden Treter angedreht bekommt? Ich bin dabei!

Lukas hat gesagt…

ohh das wäre geil. Ich stand ja als junger Mensch sehr auf diese Platteauschuhe....

Knurks hat gesagt…

Darf man Plateauschuhe als Mann nicht tragen? Keine Ahnung, ich möcht ja viel lieber Talschuhe, die bißchen was abziehen.

Eigentlich hatte ich auf diesen, viel zu oft so erlebten, Dialog angespielt:
"Die Damenschuhe sind dort hinten"
"Auch die in 46?"
"..."

gläserner_prinz hat gesagt…

Sehr sehr witzig, knurks. (Auch die in 46?)...
Der Lukas hat die umgekehrte Sachlage: 1,60m für nen Mann ist ebenso klein wie du groß bist für ne Frau... wenn nicht noch...

Anonym hat gesagt…

Also nochmal zu dem Problem der Mannschaft... (weil ich mich grad anderweitig damit beschäftigen muss)
Schon komisch, dass man unter diesem Begriff gerne nur eine Gemeinschaft von Männern verstehen will. Dabei ist ja die urspüngliche Bedeutung gar nicht so...
mannschaft oder manneschaft bezeichtnet ürsprünglich den lehnsdienst. und mann aus dem got. manna bezeichnet schlicht den Menschen.
Ein Beispiel dafür, dass mann- nicht unbedingt männlich sein muss findet sich z.B. im französischen mannequin. und solche erfüllen ja teilweise durchaus das typische klischee eines "dummen weibchens"

grüße
das petra

dare hat gesagt…

Korrekt wären folgende Möglichkeiten denkbar:

Männer-Nationalteam (oder -Mannschaft im Sinne von Team)
Frauen-Nationalteam (oder -Mannschaft im Sinne von Team)

Oder

National-MANN-schaft und
National-FRAU-schaft. ;)

Es gibt ein nettes Buch (schon älter), das diesen ganzen Sprachwahnsinn mal wirklich rumdreht - sehr lsutig, sehr nachdenklich stimmend - und vor allem sehr dazu geeignet einen neuen Blickwinkel zu bekommen.

Anonym hat gesagt…

Mir fallen dazu noch die "Berufstätigen Frauen" ein...

Anonym hat gesagt…

Sehr guter Text.
Es gibt allerdings auch Beispiele wo das Wort "for men" gelabelt werden muss. Allerdings leider nur dann wenn es für Männer "unmännlich" sein würde das Produkt ohne diese Aufschrift zu benutzen.
Beispiel: Nivea for men.
Ist es immer noch so ungewöhnlich wenn Männer sich Pflegen?
Sogar bei Shampoo greift "Mann" immer noch lieber zu einer blauen "for men" Flasche als zu dem billigeren, bunten Shampoo, nur weil eine Frau vorne abgebildet ist. Würden seine Freunde ihn auslachen wenn er nach Aprikosen duften würde? In vielen Fällen, leider JA.

gez akira